Unternehmen suchen

 
 

Lohnstreit im Bau eskaliert: Verhandlungen gestoppt

Baugewerbe
«Dies ist eine schallende Ohrfeige für alle Bauarbeiter.» (Symbolbild) (Lizenz: CC BY-NC-SA-3.0) / MIgracionTOtal !Don't Fav' And Run!
Zürich/Luzern - Die Luft auf Schweizer Baustellen wird immer dicker: Nur einen Tag nachdem die Gewerkschafter mit einer Aktion in Luzern die Baumeister noch einmal an einen gemeinsamen Tisch holen wollten, haben diese die Lohnverhandlungen definitiv abgebrochen. Die beiden Seiten werfen sich gegenseitig die Schuld vor.
Die Lohnrunde 2015 mit den Gewerkschaften Unia und Syna war vom Zentralvorstand des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) bereits vor einem Monat für gescheitert erklärt worden. Nun untermauerten dessen Delegierten den Entscheid einstimmig.

Die Baumeister finden gegenüber der Unia zum wiederholten Mal scharfe Worte: Sie betreibe seit Mitte September «eine systematische Taktik von Stör- und Nadelstichen auf Baustellen». Damit verletzten die Gewerkschafter die absolut geltende Friedenspflicht im Bauhauptgewerbe.

Korrektes Subunternehmen?

Zudem torpediere die Unia mit ihrer eigens gegründeten «Fachstelle Risikoanalyse» die vorhandenen sozialpartnerschaftlichen Institutionen, heisst es in einem Communiqué vom Donnerstag. Die Fachstelle überprüft für Bauunternehmen, ob ein Subunternehmen korrekt arbeitet oder nicht.

Das Vorgehen der Fachstelle sei einseitig und unterlaufe die gemeinsame, paritätische Kontrolle der Arbeitsbedingungen, kritisiert der SBV. So gebe es bereits Kommissionen - aus Vertretern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zusammengesetzt -, welche die Einhaltung von Gesamtarbeitsverträgen überwachten.

«Schallende Ohrfeige»

Die Unia reagierte ungehalten auf den Verhandlungsstopp der Baumeister: «Dies ist eine schallende Ohrfeige für alle Bauarbeiter», sagte der Leiter des Sektors Bau der Unia, Nico Lutz, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Das Vorgehen sei respektlos und schade den eigenen Mitgliedern des SBV und der ganzen Branche.

Für die Unia ist die Kritik an ihrer Fachstelle nur ein Vorwand der Baumeister, um nicht verhandeln zu müssen. Informationen über ein Unternehmen könnten nur mit dessen Einwilligung bei einer paritätischen Kommission eingeholt werden. Die Gewerkschaft verlangte vom SBV deshalb bis zuletzt die Rückkehr an den Verhandlungstisch.

Mit der Haltung, nicht verhandeln zu wollen, setzten sich die Baumeister laut Lutz über den Landesmantelvertrag hinweg. Dieser läuft Ende 2015 aus. «Im nächsten Jahr wird es eine harte Auseinandersetzung geben», sagte Lutz.

Zur Diskussion steht unter anderem ein gemeinsam mit den Baumeistern entwickeltes Branchenregister, welches aufzeigen soll, ob sich Unternehmen an das Arbeitsrecht halten. Die Baumeister hätten sich aber aus der gemeinsamen Arbeitsgruppe mit den Gewerkschaften für das Branchenregister zurückgezogen, betonte Lutz - obwohl Generalunternehmer auf diese Dienstleistung angewiesen wären.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Der Abbruch der Verhandlungen hatte sich nicht nur wegen der Vorkommnisse in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Die Baumeister und die Gewerkschaften stehen immer wieder im Konflikt.

Die Einigung über den aktuellen Landesmantelvertrag kam nur nach einem langen Schlagabtausch im März 2012 zu Stande. Vorübergehend hatte im Baugewerbe ein vertragsloser Zustand bestanden. Immerhin einigten sich die beiden Seiten in diesem Jahr auf eine Lohnerhöhung im Bausektor um 0,8 Prozent.

Für nächstes Jahr hatte sich die Unia eine Lohnerhöhung von 150 Franken pro Monat für alle zum Ziel gesetzt. Sie erklärte, dass die Lage in der Bauwirtschaft hervorragend sei. Für die hart arbeitenden Bauarbeiter sei es unverständlich, weshalb die Baumeister sie kaum am Erfolg der Branche beteiligt wollten.

Kein Nachholbedarf

Nach Ansicht des SBV besteht bei den Löhnen dagegen kein Nachholbedarf. Die massgebende Jahresteuerung liege im Minus, und in den vergangenen acht Jahren seien die effektiv bezahlten Löhne real um 6,1 Prozent gestiegen. Diese lägen «an der Spitze aller gewerblichen Branchen mit einem Gesamtarbeitsvertrag».

Mit dem Verhandlungsabbruch steht nun fest, dass es für nächstes Jahr keine allgemeinverbindliche Lohnerhöhung gibt. Die Diskussionen werden dafür in den Unternehmen geführt werden müssen.

(awe/sda)
publiziert: Donnerstag, 13. November 2014 / 14:01 Uhr , aktualisiert: Donnerstag, 13. November 2014 / 14:00 Uhr

Lesen Sie hier mehr zum Thema

Baugewerbe

Bauarbeiter verlangen Verhandlungen über neuen Landesmantelvertrag

Bern - Die rund 500 Teilnehmenden der Landsgemeinde Bau der Gewerkschaft Unia haben in Bern den Baumeisterverband aufgefordert, seine Blockade aufzugeben und Verhandlungen für einen neuen Landesmantelvertrag (LMV) aufzunehmen.
weiterlesen
Baugewerbe

Bauarbeiter fordern mehr Lohn und mehr Sicherheit

Zürich - Mehrere hundert Bauarbeiter haben am Samstagnachmittag in Zürich gegen die abgebrochenen Lohnverhandlungen vor dem Sitz des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) demonstriert. Sie errichteten eine Mauer vor dem Zugangsweg zum SBV.
weiterlesen
Erste Jahreshälfte

Bautätigkeit erhöht sich um 6,4 Prozent

Zürich - Das Schweizer Baugewerbe blickt zwar auf eine erfolgreiche erste Jahreshälfte 2014 zurück und erwartet auch für das Gesamtjahr ein Plus. Die längerfristige Entwicklung sei jedoch von Unsicherheiten geprägt, teilte der Schweizerische Baumeisterverband am Mittwoch mit.
weiterlesen
Baugewerbe entwickelt sich gut

Unia fordert mehr Lohn für Bauarbeiter

Bern - Die Gewerkschaft Unia fordert für Bauarbeiter in diesem Jahr 150 Franken mehr Lohn pro Monat. Diese Lohnerhöhung sei gerechtfertigt angesichts der guten Entwicklung des Baugewerbes, heisst es in der Mitteilung.
weiterlesen
MCH Messe Basel

Die Holz Basel ist erneut der wichtigste Treffpunkt der Holzbearbeitungsbranche

Basel - Vom 15. - 19. Oktober 2019 treffen sich an der Holz in der Messe Basel die Fachleute der Schweizer Holzbearbeitungsbranche. Während der fünf Messetage präsentieren sich an der Holz in Basel auf 45'000 m2 Ausstellungsfläche 368 in- und ausländische Anbieter mit Lieferwerken aus 16 Ländern.
weiterlesen
Schweizerischer Baumeisterverband - Quartalserhebung Bauindex

Vielversprechende Baukonjunktur im Sommer

Zürich - Der Umsatz des Bauhauptgewerbes betrug im zweiten Quartal 2019 5.5 Mrd. Franken. Das entspricht einem Plus von 4.8% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Sämtliche Segmente des Hochbaus sind gewachsen, während der Tiefbau mit -2.2% leicht rückläufig war.
weiterlesen
SBV Schweiz. Baumeisterverband

Start des Informationssystems Allianz Bau (ISAB) Ein grosser Schritt für eine bessere Durchsetzung der Mindestarbeitsbedingungen

Firmen, welche die Mindestarbeitsbedingungen nicht einhalten, schaden dem Grossteil der korrekten Betriebe und ihren Mitarbeitenden. Darum haben die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes den Paritätischen Verein Informationssystem Allianz Bau (ISAB) gegründet, dessen System im März online ging. ISAB stellt für das Bauhaupt- und Ausbaugewerbe national einheitliche Daten im Bereich GAV-Vollzug auf eine datenschutzkonforme Art und Weise zentral zur Verfügung.
weiterlesen
Überblick über die Entwicklung des Bauhauptgewerbes

Mobile App «BauFakten»

«BauFakten» verschafft durch einfache Visualisierung der Daten einen raschen Überblick über die Entwicklung des Bauhauptgewerbes und der ganzen Bauwirtschaft.
weiterlesen
Lohnverhandlungen erfolglos

Kein Lohnabschluss 2018 im Bauhauptgewerbe

Der Schweizerische Baumeisterverband und die Gewerkschaften Unia und Syna haben bei den Verhandlungen über den Lohn 2018 für das Baustellenpersonal keine gemeinsame Lösung gefunden. Trotz unsicheren Marktaussichten und ständig abnehmenden Margen legte der Baumeisterverband den Gewerkschaften ein faires Angebot vor: Eine individuelle Erhöhung der Effektivlöhne um 0,5 Prozent sowie eine Erhöhung sämtlicher Mindestlöhne um 0,3 Prozent.
weiterlesen
Collaboration - Alle zusammen oder jeder für sich?

SWISSBAU 2018

Vom 16. bis 20. Januar findet in Basel die Swissbau 2018 statt. Zum ersten Mal überhaupt steht sie unter einem übergeordneten Motto. So heisst es im Januar «Collaboration - alle zusammen oder jeder für sich?». Im Zentrum steht die Digitalisierung, mit all ihren Facetten und Herausforderungen für die Baubranche.
weiterlesen
Kostengünstige Wärmeversorgung mit Geothermie

Erdwärme - erneuerbare Energie mit Zukunft

Im Mai 2017 wurde der Energiestrategie 2050 die Zustimmung erteilt. Das bedeutet mehr Chancen für eine Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energien. Ein breiterer Umstieg auf Erdwärme bringt eine bessere Technologie und folglich eine gründlichere und kostengünstigere Ausnutzung dieser Energie mit sich.
weiterlesen
Dämmplattenhersteller

Franzosen kaufen Schweizer Pavatex

Cham ZG - Der Schweizer Dämmplattenhersteller Pavatex wird vom französischen Unternehmen Soprema aufgekauft. Die Soprema-Gruppe erwarb 100 Prozent der Aktien der in Cham ZG domizilierten Traditionsfirma. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.
weiterlesen
Positive erste vier Monate

Hilti rechnet mit deutlichem Umsatzanstieg

Schaan FL - Aufgrund der positiven Umsatzentwicklung in den ersten vier Monaten 2016 erwartet der Liechtensteiner Hilti-Konzern für 2016 einen deutlichen Anstieg des Umsatzes. Harzig laufen allerdings weiterhin die Geschäfte in Lateinamerika.
weiterlesen
Sika-Streit

Sika-Aktionäre lehnten Vergütung für Verwaltungsrat ab

Baar ZG - Die Verwaltungsräte des Bauchemiekonzerns Sika haben im vergangenen Jahr gratis gearbeitet. Die Aktionäre lehnten an der Generalversammlung am Dienstag die Auszahlung der Löhne mit rund 66,46 Nein-Stimmen ab.
weiterlesen