Unternehmen suchen

Brasilianischer Korruptionsskandal zieht immer weitere Kreise

Baukonzern Odebrecht auch unter Visir
Die Justiz nimmt die führenden Industriellen des Landes ins Visier. (Lizenz: CC BY-3.0) / .v1ctor Casale.
Rio De Janeiro - Im Korruptionsskandal um den brasilianischen Ölriesen Petrobras greift die Justiz durch - und nimmt die führenden Industriellen des Landes ins Visier. Auf Drängen der Bundespolizei sollen nun auch die Spitzen des grössten Baukonzerns Odebrecht angeklagt werden.
Es geht um den Verdacht auf Geldwäsche und Korruption im Zusammenhang mit dem Kauf von Bohrinseln des Ölkonzerns Petrobras, wie die Agencia Brasileira Montagabend (Ortszeit) mitteilte. Odebrecht hat 181'000 Mitarbeiter und ist in 23 Ländern tätig. Seit Monaten wird im Rahmen der Operation Lava Jato ein Korruptionsnetz offengelegt, auch viele Politiker des fünftgrössten Landes sollen bestochen worden sein.

Ein Bundesgericht in Curitiba verurteilte am Donnerstag bereits mehrere Topmanager des Baukonzerns Camargo Corrêa zu Haftstrafen von bis zu 15 Jahren, wie die Agencia Brasil mitteilte. Dabei ging es um den Vorwurf der Korruption im Zusammenhang mit dem Bau mehreren Raffinerien.

Petrobras ist das grösste Unternehmen Brasiliens mit einem Jahresumsatz von rund 140 Milliarden US-Dollar. Der frühere Petrobras-Spitzenmanager Paulo Roberto Costa wurde in dem Verfahren zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Ermittler prüfen in umfangreichen Verfahren Unregelmässigkeiten in Milliarden-Höhe.

Schmiergelder an Regierungspartei

Bei der Vergabe von Aufträgen soll systematisch Schmiergeld geflossen sein, das teilweise auch an Politiker und Parteien ging. Laut früheren Aussagen von Ex-Petrobras-Direktor Costa sollen bei überhöhten Vertragsabschlüssen des Konzerns mit anderen Firmen zwei Prozent der Vertragssumme an die Arbeiterpartei von Präsidentin Dilma Rousseff geflossen sein.

Vergangene Woche hatte der Präsident des Abgeordnetenhauses, Eduardo Cunha, offiziell seinen Bruch mit Rousseff erklärt - nachdem Anschuldigungen gegen ihn erhoben worden waren, vom Baukonzern Camargo Corrêa fünf Millionen US-Dollar für die Beschaffung von Petrobras-Aufträgen gefordert zu haben.

Cunha gehört der Partido del Movimiento Democrático Brasileño (PMDB) an, dem wichtigsten Koalitionspartner von Staatspräsidentin Rousseff. Noch ist nicht absehbar, ob durch die Affäre auch Rousseff selbst noch stärker unter Druck geraten könnte.

Der Journalist und Analyst Josias de Souza bilanzierte in seinem Blog, das Urteil des Richters Sérgio Moro sei ein "historischer Markstein" - bisher seien solche Unternehmensgrössen in Brasilien nicht derartig belangt worden.

(nir/sda)
publiziert: Dienstag, 21. Juli 2015 / 07:30 Uhr , aktualisiert: Dienstag, 21. Juli 2015 / 07:06 Uhr

Lesen Sie hier mehr zum Thema

Krise in Brasilien

Brasilianische Regierung kündigt drastisches Kürzungsprogramm an

Brasília - Die brasilianische Regierung hat angesichts der Wirtschaftskrise Einsparungen und Steuererhöhungen im Volumen von umgerechnet 16 Milliarden Franken bekannt gegeben. Sie reagiert damit auf die Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor's.
weiterlesen
Präsidentin Dilma Rousseff unter Druck

Massenproteste in Brasilien

Rio De Janeiro - Fast eine Million Menschen hat in Brasilien bei den grössten Protesten seit Monaten die Ablösung von Präsidentin Dilma Rousseff gefordert. Nach Angaben der Polizei gingen über 860'000 Menschen am Sonntag auf die Strasse, die meisten wurden in São Paulo gezählt.
weiterlesen
Prozesse um Zahlungen von Bestechungsgeldern an Ölkonzern

Petrobras-Schmiergeldaffäre: Bauunternehmer müssen vor Gericht

Brasília - Die Korruptionsaffäre um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras zieht immer weitere Kreise. Jetzt müssen sich auch die Chefs der beiden grössten Baukonzerne des Landes vor Gericht verantworten.
weiterlesen
Verdachts auf illegale Einflussnahme

Brasiliens Justiz leitet Ermittlungen gegen Ex-Präsident Lula ein

Brasília - Brasiliens Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den früheren Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva wegen des Verdachts auf illegale Einflussnahme zugunsten des Baukonzerns Odebrecht eingeleitet.
weiterlesen
Wachsende Unzufriedenheit auf linke Regierung

Zustimmung für Brasiliens Staatschefin sinkt auf 10 Prozent

Brasilia - Brasiliens Staatschefin ist im Umfragetief: Nur noch 10 Prozent der Bevölkerung finden Präsidentin Dilma Rousseff und ihre linke Regierung «gut» oder «ausgezeichnet».
weiterlesen
Überblick über die Entwicklung des Bauhauptgewerbes

Mobile App «BauFakten»

«BauFakten» verschafft durch einfache Visualisierung der Daten einen raschen Überblick über die Entwicklung des Bauhauptgewerbes und der ganzen Bauwirtschaft.
weiterlesen
Lohnverhandlungen erfolglos

Kein Lohnabschluss 2018 im Bauhauptgewerbe

Der Schweizerische Baumeisterverband und die Gewerkschaften Unia und Syna haben bei den Verhandlungen über den Lohn 2018 für das Baustellenpersonal keine gemeinsame Lösung gefunden. Trotz unsicheren Marktaussichten und ständig abnehmenden Margen legte der Baumeisterverband den Gewerkschaften ein faires Angebot vor: Eine individuelle Erhöhung der Effektivlöhne um 0,5 Prozent sowie eine Erhöhung sämtlicher Mindestlöhne um 0,3 Prozent.
weiterlesen
Collaboration - Alle zusammen oder jeder für sich?

SWISSBAU 2018

Vom 16. bis 20. Januar findet in Basel die Swissbau 2018 statt. Zum ersten Mal überhaupt steht sie unter einem übergeordneten Motto. So heisst es im Januar «Collaboration - alle zusammen oder jeder für sich?». Im Zentrum steht die Digitalisierung, mit all ihren Facetten und Herausforderungen für die Baubranche.
weiterlesen
Kostengünstige Wärmeversorgung mit Geothermie

Erdwärme - erneuerbare Energie mit Zukunft

Im Mai 2017 wurde der Energiestrategie 2050 die Zustimmung erteilt. Das bedeutet mehr Chancen für eine Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energien. Ein breiterer Umstieg auf Erdwärme bringt eine bessere Technologie und folglich eine gründlichere und kostengünstigere Ausnutzung dieser Energie mit sich.
weiterlesen
Dämmplattenhersteller

Franzosen kaufen Schweizer Pavatex

Cham ZG - Der Schweizer Dämmplattenhersteller Pavatex wird vom französischen Unternehmen Soprema aufgekauft. Die Soprema-Gruppe erwarb 100 Prozent der Aktien der in Cham ZG domizilierten Traditionsfirma. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.
weiterlesen
Positive erste vier Monate

Hilti rechnet mit deutlichem Umsatzanstieg

Schaan FL - Aufgrund der positiven Umsatzentwicklung in den ersten vier Monaten 2016 erwartet der Liechtensteiner Hilti-Konzern für 2016 einen deutlichen Anstieg des Umsatzes. Harzig laufen allerdings weiterhin die Geschäfte in Lateinamerika.
weiterlesen
Sika-Streit

Sika-Aktionäre lehnten Vergütung für Verwaltungsrat ab

Baar ZG - Die Verwaltungsräte des Bauchemiekonzerns Sika haben im vergangenen Jahr gratis gearbeitet. Die Aktionäre lehnten an der Generalversammlung am Dienstag die Auszahlung der Löhne mit rund 66,46 Nein-Stimmen ab.
weiterlesen
Streit nimmt kein Ende

Sika-GV im Zeichen des Übernahmekampfs

Baar ZG - Fünf statt 53 Prozent: Die Erben von Sika-Gründer Kaspar Winkler können auch an dieser Generalversammlung nicht ihr gesamtes Stimmgewicht in die Waagschale werfen. Der Verwaltungsrat des Bauchemieherstellers beschränkt erneut deren Stimmkraft.
weiterlesen
Umsatz um 6,6 Prozent höher

Sika legt weiteres Rekordquartal hin

Baar ZG - Vor dem neuerlichen Showdown an der (heutigen) Generalversammlung glänzt der Bauchemie-Konzern Sika erneut mit einem Rekordquartal. Der Umsatz wuchs im ersten Quartal um 6,6 Prozent - wegen des Wachstums und weil sich die Währungssituation günstiger entwickelte.
weiterlesen
Elf prozentige Gewinnsteigerung

Elektroinstallationsgruppe Burkhalter verdient 2015 mehr

Zürich - Die Elektroinstallationsgruppe Burkhalter hat im vergangenen Jahr mehr verdient: Unter dem Strich blieben 35 Millionen Franken übrig, rund 11 Prozent mehr als im Vorjahr.
weiterlesen