Eine neue Waffe
Unterschriftenschlacht um Gesamtarbeitsvertrag
publiziert: Freitag, 6. Nov 2015 / 15:10 Uhr / aktualisiert: Samstag, 7. Nov 2015 / 08:19 Uhr
Mit diesen wollen beide Seiten beweisen, dass die Bauarbeiter ihrer Meinung sind.
Mit diesen wollen beide Seiten beweisen, dass die Bauarbeiter ihrer Meinung sind.

Bern - Baumeister und Gewerkschaften greifen im Gefecht um den Gesamtarbeitsvertrag zu einer neuen Waffe: Unterschriften der Bauarbeiter. Mit diesen wollen beide Seiten beweisen, dass die Bauarbeiter ihrer Meinung sind.

5 Meldungen im Zusammenhang
Der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) hat rund 26'000 Unterschriften gesammelt und diese am Freitag Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), überreicht. Wie es den Gepflogenheiten in dem öffentlich ausgetragenen Konflikt entspricht, wurde dies danach an einer Medienkonferenz kundgetan.

Dort sagte Gian-Luca Lardi, Zentralpräsident des Baumeisterverbandes, die Unterschriften zeigten, dass die Bauarbeiter mit dem aktuellen Gesamtarbeitsvertrag glücklich seien. Mit einer Fortführung des heutigen Vertrages - wie dies die Baumeister vorschlagen - wären die Bauarbeiter zufrieden.

Diese Unterschriften seien wertlos, entgegnen die Gewerkschaften Unia und Syna in einer Mitteilung vom Freitag. Ein guter Teil der Bauarbeiter, die unterschrieben hätten, sei zu der Unterschrift gezwungen worden. Die Gewerkschaften schreiben, sie hätten selbst ebenfalls Unterschriften: Über 30'000, freiwillige.

Diese Unterschriften zeigten, dass die Bauarbeiter Verhandlungen über den Gesamtarbeitsvertrag - den sogenannten Landesmantelvertrag - wollten und nicht einfach eine Verlängerung des bisherigen.

Stein des Anstosses

Der Baumeisterverband verweigert inhaltliche Verhandlungen über den Landesmantelvertrag wegen der Fachstelle «Risikoanalyse» der Gewerkschaft Unia. Diese Fachstelle prüft für Baufirmen, ob deren Subunternehmen Lohndumping begehen.

Die Baumeister argumentieren, diese einseitige Überprüfung sei nicht zulässig. Die Einhaltung des Gesamtarbeitsvertrages müsse gemeinsam mit den Arbeitgebervertretern kontrolliert werden. Die Unia verhalte sich so, als sei die Sozialpartnerschaft ein Fussballspiel, bei dem sie gleich selber den Schiedsrichter mitbringe.

Unia und Syna werfen den Baumeistern derweil Verhandlungsverweigerung vor. Mit unhaltbaren Begründungen habe der Baumeisterverband seit Februar sämtliche Verhandlungen zum Landesmantelvertrag verweigert, heisst es in der Mitteilung vom Freitag.

Vertragsloser Zustand

Kommt es bis Ende Jahr nicht zu einer Einigung, droht ein vertragsloser Zustand. Einen solchen wollen gemäss eigenen Angaben beide Seiten verhindern. Die nächsten Verhandlungen soll es Ende November geben. Dort wollen die Baumeister aber nur über die Löhne für 2016 und den frühzeitigen Altersrücktritt sprechen - nicht aber über den Landesmantelvertrag.

Laut Nico Lutz, Sektorleiter Bau bei der Unia, ist das unsinnig. Voraussetzung für Lohnverhandlungen sei, dass man im nächsten Jahr noch einen Gesamtarbeitsvertrag habe, sagte er der Nachrichtenagentur sda. Ohne Vertrag müsse man nicht über den Lohn diskutieren.

Frühzeitige Pensionierung

Der frühzeitige Altersrücktritt ist ein zweiter Streitpunkt zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern. Damit die Bauarbeiter wegen der körperlichen anstrengenden Arbeit ab 60 in Pension gehen können, gibt es die Stiftung flexibler Altersrücktritt (FAR). Sie zahlt eine Überbrückungsrente bis zum ordentlichen Pensionsalter mit 65.

Nun drohen der Stiftung aber Finanzierungsprobleme. Den Baumeistern zufolge ist das ein demographischen und damit ein systematisches Problem. Sie wollen es lösen, indem zum einen die Leistungen gekürzt, zum andern die Lohnprozente erhöht werden.

Die FAR-Rente sei wesentlich höher als die ordentliche Rente von AHV und BVG. Es bestehe also eine Überversicherung, sagte Lardi an der Medienkonferenz. Bei Finanzierungsproblemen sei es folglich «mehr als legitim», hier Kürzungen vorzunehmen.

Zu tief

Lutz von der Unia hält das für ganz und gar nicht legitim. Heute betrage die durchschnittliche Rente 4400 Franken, sagte er. Mit den von den Baumeistern vorgeschlagenen Kürzungen wären es noch 3600 Franken. «Wie wollen sie damit in der Schweiz leben?», fragte er. Faktisch werde die Kürzung dazu führen, dass kein Bauarbeiter mehr mit 60 in Rente gehe.

Die Finanzierungslücke bei der Stiftung FAR ist aus Sicht der Gewerkschaften vorübergehend. Die Babyboomer, die in Rente gehen, und die boomende Baukonjunktur Ende der 80er-Jahre, führten während der nächsten rund 10 Jahren zu einem zusätzlichen Finanzierungsbedarf. Die Gewerkschaften wollen diesen mit einer Erhöhung der Lohnbeiträge lösen.rzung dazu f

(nir/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese baugewerbe.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Zürich - Unter Fahnengeschwenke ... mehr lesen
Die Fronten im Schweizer Baugewerbe sind seit Monaten verhärtet. (Symbolbild)
Der Streik im Tessin bildet den Auftakt einer Reihe von Protesten.
Bellinzona - 3000 Bauarbeiter haben am Montag im Tessin die Arbeit auf den Baustellen ruhen lassen. Der Protesttag der Gewerkschaften Unia und Syna in Bellinzona bildet den Auftakt ... mehr lesen
Biel - Im Streit um einen neuen Gesamtarbeitsvertrag im ... mehr lesen
Am Dienstag hatten die Gewerkschaften mit Kampfmassnahmen gedroht, sollte es Ende Jahr zu einem vertragslosen Zustand kommen.
Wirbel um den Gesamtarbeitsvertrag im Baugewerbe.
Bern - Im Streit um den Ende Jahr ... mehr lesen
Zürich - Nach dem Boom der letzten ... mehr lesen
In der Schweiz wird weniger gebaut.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Abgestürzter Bagger.
Abgestürzter Bagger.
Missgeschick beim Abladen  Trimmis GR - In Trimmis GR ist beim Abladen ein Bagger zuerst von einem Lastwagen und dann 15 Meter einen steilen Abhang hinunter gestürzt. Die Arbeitsmaschine wurde stark beschädigt. Verletzt wurde niemand. mehr lesen 
Mehrheits-Aktionär  Der saudische Bau- und Immobilienunternehmer Monquez Alyousef wird ... mehr lesen  
Wohlen ist in neuen Händen.
Gotthard 2016  Bellinzona - Italien ist über den Gotthard und den Lötschberg gleich doppelt an die NEAT angebunden - zudem werden die Metropolen Zürich und Mailand ab Dezember 2016 näher zusammenrücken. Italiener und Schweizer verbindet ausserdem das gemeinsame Tunnelbau-Erbe. mehr lesen  
Aktion kostet 700'000 Fr.  Bellinzona - In Bellinzona ist am Dienstag die 1400 Tonnen schwere Jahrhundertwende-Villa ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    grüezi Wie lasterhaft Mitleid mitunter sein kann, beweisen Sie doch gerade ... Mo, 26.12.16 20:05
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Vom Tode träumt ein negrophiles Schäfchen doch ständig. Wenn tausende Frauen in England ... Mi, 28.09.16 11:58
  • HentaiKamen aus Volketswil 1
    Kommt wieder Aber leider eine RIESEN Verlust für Leser wie mich die nicht mit dem ... Sa, 13.08.16 01:13
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    sogar nach dem Tode hat die Kassandra noch die grösste Schnauze... jaja, diese ... Fr, 12.08.16 16:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wow, wie hat sich die gute Kubra gemausert! Ich danke auch Ihnen ganz persönlich für die vielen harten und ... Mi, 20.07.16 20:25
  • Pacino aus Brittnau 731
    Übrigens, wusstet ihr schon . . . . . . dass die Foren von AZ (Wanner), 20min. und Schweizer Fernsehen ... Mi, 29.06.16 15:20
  • PMPMPM aus Wilen SZ 235
    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
  • kubra aus Berlin 3232
    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
1,2 Millionen US-Dollar wurden nach Argentinien überwiesen.
Finanzplatz Argentiniens Staatschef will Geld in Saatsanleihen anlegen Buenos Aires - Der argentinische Präsident Mauricio Macri will sein auf den Bahamas geparktes Geld nun in Staatsanleihen in der Heimat ...
Wisekey ist das erste Unternehmen das im laufenden Jahr an die Börse ging.
Börse Zürich Wisekey-Aktie stürzt beim Börsengang ab Zürich - Lange war es ruhig am Schweizer IPO-Markt. ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 6°C 17°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt recht sonnig
Basel 6°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
St. Gallen 5°C 15°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Bern 6°C 17°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt recht sonnig
Luzern 6°C 17°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Genf 6°C 15°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Lugano 8°C 18°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten