Verhärtete Fronten im Baugewerbe
Über hundert Baustellen in Zürich stehen still
publiziert: Dienstag, 10. Nov 2015 / 06:26 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 10. Nov 2015 / 12:37 Uhr
Die Fronten im Schweizer Baugewerbe sind seit Monaten verhärtet. (Symbolbild)
Die Fronten im Schweizer Baugewerbe sind seit Monaten verhärtet. (Symbolbild)

Zürich - Unter Fahnengeschwenke und Krach aus Trillerpfeifen sind am Dienstagmittag hunderte Bauarbeiter in einer Demonstration vom Zürcher Helvetiaplatz Richtung Hauptbahnhof gezogen. Sie forderten einen neuen GAV, Rente mit 60 und Schutz bei Schlechtwetter und Lohndumping.

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Andere Bauarbeiter wurden aus verschiedenen Regionen der Deutschschweiz direkt mit dem Car zum Hauptbahnhof gefahren. Dort wollten sie sich zum gemeinsamen Mittagessen treffen.

Am Morgen hatten Bauarbeiter in der ganzen Deutschschweiz ihre Arbeit niedergelegt. Insgesamt dürften rund 300 Baustellen stillstehen, darunter über 100 im Grossraum Zürich, sagte Unia-Sprecher Mischa von Arb auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Total hätten rund 3000 Bauarbeiter aus der gesamten Deutschschweiz ihre Arbeit ruhen lassen.

Vorwürfe der Gewerkschaften

Die Gewerkschaften wollen aber nicht von Streik sprechen, obwohl die Bauarbeiter ein Transparent mit der Aufschrift "Wir streiken" mitführten. Die Bauarbeiter bezögen Überzeit, um an den Protesten teilzunehmen, erklärt Kurt Regotz, Verhandlungsleiter Bau von der Gewerkschaft Syna. Es handle sich aber durchaus um eine arbeitsstörende Massnahme.

In einer Medienerklärung der Gewerkschaften Unia und Syna warfen die Bauarbeiter dem Baumeisterverband vor, die Probleme der Bauarbeiter nicht ernst zu nehmen und Lösungen zu blockieren.

Erst am Montag hatten 3000 Bauarbeiter im Tessin ihre Arbeit auf den Baustellen ruhen lassen. Am Mittwoch sind Aktionen in der Westschweiz geplant. Der Protesttag der Gewerkschaften Unia und Syna in Bellinzona war der Auftakt einer Reihe von Protesten in der Schweiz im Arbeitskampf um den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Branche, der Landesmantelvertrag genannt wird.

Fronten verhärtet

Die Fronten im Schweizer Baugewerbe sind seit Monaten verhärtet. Die Baumeister wollen den bisherigen Landesmantelvertrag (LMV) verlängern, für Unia und Syna dagegen kommen nur Verhandlungen über einen neuen LMV in Frage - und dies zusammen im Paket mit der Lohnrunde, der Finanzierung des Rentenalters 60 sowie Massnahmen gegen Lohndumping und für besseren Gesundheitsschutz.

Der Baumeisterverband verweigert inhaltliche Verhandlungen über den Landesmantelvertrag wegen der Fachstelle "Risikoanalyse" der Gewerkschaft Unia. Diese Fachstelle prüft für Baufirmen, ob deren Subunternehmen Lohndumping begehen. Die Baumeister argumentieren, diese einseitige Überprüfung sei nicht zulässig.

Unia und Syna werfen den Baumeistern derweil Verhandlungsverweigerung vor. Kommt es bis Ende Jahr nicht zu einer Einigung, droht ein vertragsloser Zustand. Einen solchen wollen gemäss eigenen Angaben beide Seiten verhindern.

Die nächsten Verhandlungen soll es Ende November geben. Dort wollen die Baumeister aber nur über die Löhne für 2016 und den frühzeitigen Altersrücktritt sprechen - nicht aber über den Landesmantelvertrag.

(bert/sda)

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